DJ showdown
Norbert Leisegangs aktuelle DJ-Geschichte ist so köstlich, dass ich sie komplett zitieren möchte:
"Arendsee ist ein kleines Städtchen in der Altmark zwischen Seehausen und Salzwedel.Ein kleines Städtchen mit einem ganz passablen Badesee, dem Arendsee. Es ist die letzte Nacht im Juli. Wir sind mit dem Bandbus unterwegs, um auf der Bühne im Strandbad ein Konzert zu geben. Gegen 17 Uhr kommen wir an, installieren die Backline und absolvieren sodann den Soundcheck. Im Anschluß daran gibt es eine kleine Mahlzeit. Wir ziehen uns in die Gaststätte zurück. Schnitzel, Nudeln, Salate etc. Inzwischen wird es Zeit für das doors open, will sagen der Einlaß beginnt. In der Regel lege ich parallel dazu CD's meiner Lieblingsbands auf. So trabe ich zum Technikplatz und beabsichtige einige chillout Nummern ertönen zulassen. Doch muß ich erst einmal feststellen, daß ein örtlicher eigens für diese Veranstaltung angeheuerter DJ sein Zelt inklusive Anlage direkt neben der Bühne aufgestellt hat. Das ging ja fix. Eifrig ist er mit seinem Soundcheck beschäftigt und läßt damit wissen, daß er Musik von Wolfgang Petri und von "de Randfichten" favorisiert.Ich ahne nichts Gutes. Der Arendsee liegt friedlich im Orange der untergehenden Sonne, ein leichter Abendwind haucht erholsame Frische ins Areal und aus den schreienden Lautsprecherboxen dieses Waldarbeiters tönt erbarmungslos der Viertelbeat einer Volksmusik-Bassdrum. Ungeachtet des Dienstweges steuere ich auf die Quelle dieser Schallwellen hin, stelle mich artig vor und erfahre, daß der Mann mir gegenüber im Turnhemd und kurzen Jeanshosen DJ-Peter ist.
DJ-Peter trägt fülliges,lockiges Haar und einen drolligen Schnauzbart. Listige kleine braune Augen schauen mich freundlich an. Was wir uns sagen wollen, müssen wir uns in die Ohren brüllen, da die Musik alles übertönt. Als ich auf den Volumenregler deute, springt DJ-Peter zum Mischpult und legt den Volksmusikdrachen auf Eis. Wir atmen beide durch. Ich versuche zu lächeln. Es gelingt mir. Auch Peter lacht jetzt. Ich gebe ihm zu verstehen, daß ich seine Arbeit sehr schätze, doch die Musik vor dem Konzert würde ich gern selbst auflegen. Er nickt bereitwillig und sagt, daß er vor und nach dem Konzert auflegen wird. Abermals gebe ich zu verstehen: allenfalls nach dem Konzert. Jetzt wird ihm der Unterschied klar. Auch, daß ich insistieren werde. Er überlegt ein paar Sekunden, schaut schräg nach oben und erklärt sich erstaunlich schnell einverstanden. Dann, er spiele ohnehin auf jeder Discothek nach den Phudys Kling Klang von Keimzeit und stelle glücklich fest, daß sein Publikum dabei voll aus dem Häus'chen sei. Bevor er sich wieder seinem Soundcheck widmet, läßt er mich noch wissen, daß wir doch alle "olle Ossis" wären und wir uns schon verstünden. Außerdem würde er sich freuen, wenn ich ihm zum Ende hin eine Keimzeit CD schenke. Das hätte aber keine Eile. Es gäbe ja noch zu tun.
Habe ich erwähnt, daß ich darauf nichts mehr zu sagen wußte?
N. "
[16:03 Uhr] -
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